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Unternehmer und Architekt stellen günstige Wohnbaulösungen vor

Bei einer Gesprächsrunde, den der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Hahn organisiert hatte, stellten Unternehmer und Architekten aus dem Bodenseekreis günstige Modulbaulösungen für den sozialen Wohnungsbau vor.

Hahn

                       

Wie lässt sich im Bodenseekreis günstiger Wohnraum schaffen? Auf diese Frage, die durch den starken Zuzug von Flüchtlingen an die Oberfläche geraten ist, gab es bei einem vom Landtagsabgeordneten Martin Hahn (Bündnis 90/Die Grünen) arrangierten Informationsgespräch mit Architekten und Handwerksfirmen aus der Region umsetzbare Antworten. Die Konzepte, die das Salemer Bauunternehmen Bernhard Straßer, der Uhldinger Holzbaubetrieb Egger und der Überlinger Architekt Wilfried Stotz entwickelt haben, beeindruckten auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae.

„Der Wohnungsmarkt im Bodenseekreis ist überhitzt“, erklärte Dietmar Kathan, Vorsitzender der Architektenkammer Bodenseekreis. Es werde zwar viel gebaut, in der Regel aber nur in höheren Preissegmenten. Derselben Meinung war Martin Hahn. „Wir haben 15 Jahre ohne sozialen Wohnungsbau hinter uns.“ Er begrüßte es daher ausdrücklich, dass man sich in Berlin aufgemacht hat, den sozialen Wohnungsbau zu fördern. Davon dürften aber nicht nur Ballungsgebiete profitieren. „Diese
Förderung muss auch in Zuzugsregionen wie dem Bodenseekreis Wirkung entfalten können“, betonte Hahn. Dass dies so kommen wird, stellte Kerstin Andreae noch in Frage. „Wenn der vorliegende Gesetzentwurf Gesetz wird, schießt er am Ziel vorbei.“ Sie bestätigte, dass sich das Problem des mangelnden bezahlbaren Wohnraums nicht nur auf die Ballungsgebiete beschränke. „Es ist viel Geld da, das nach Anlagemöglichkeiten sucht“, meinte sie. Es komme nun darauf an, es durch entsprechende Anreize in den sozialen Wohnungsbau zu lenken.

Mit steuerlichen Anreizen allein ist es nach einhelliger Meinung der Gesprächsteilnehmer aber noch nicht getan. Für Hahn stellt sich auch die Frage, wie die Kommunen dazu bewegt werden können, Flächen für den Geschosswohnungsbau auszuweisen. Architekt Dietmar Kathan meinte, dass daran viele Bürgermeister nicht interessiert seien, weil jene, die sich eine teure Wohnung leisten könnten, über die Einkommensteuer mehr Geld in die kommunalen Haushaltskassen spülten. Wenn ein Bürgermeister dennoch gewillt sei, zusätzliche Flächen für den Geschosswohnungsbau auszuweisen, werde er von den Planungsbehörden gebremst. „Es muss dringend am Flächenverbrauchsfaktor an gewissen Stellen nachjustiert werden“, forderte Kathan.

Abstriche an den geltenden Gebäudestandards vorzunehmen, hielten dagegen alle Gesprächsteilnehmer für einen falschen Weg. „Das muss auch nicht sein“, betonte Bauunternehmer Straßer. Was bei einer Absenkung der Energiestandards zunächst an Investitionskosten eingespart werden würde, schlage im Lauf der Jahre durch mehrfach höhere Energiekosten wieder zurück. Architekt Kathan ist überzeugt, dass sich unter Einhaltung der modernen Standards Wohnraum für 2500 Euro pro Quadratmeter realisieren lässt.

Das Bauunternehmen Straßer hat eine Modulbauweise auf Massivbaubasis entwickelt, das dieser Marke nahe kommt. Diese Module lassen sich zunächst als Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge nutzen und später, ohne eine Wand herauszunehmen, für Drei-Personen-Haushalte umfunktionieren. Ähnliches hat der Holzbaubetrieb Egger aus Uhldingen-Mühlhofen auf Holzbaubasis entwickelt. Das Überlinger Architekturbüro Stotz ist noch einen Schritt weitergegangen und hat mobile Module entwickelt, die für rund 500 Euro von einem Standort zu einem anderen versetzt werden können.

„Brauchen dringend eine spürbare Aufstockung der Mittel“

Kerstin Andreae, stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, spricht über den sozialen Wohnungsbau.
Kerstin Andreae, stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, spricht über den sozialen Wohnungsbau.Waren die Konzepte neu, die Ihnen in Salem zu günstigem Bauen vorgestellt wurden?

Ich hatte schon einmal die Möglichkeit, mich in meiner Heimatstadt Freiburg über module Konzepte zu informieren. Dort wurde auch schon ein solches Projekt verwirklicht. Ich habe hier aber sehr engagierte Handwerksfirmen erlebt, die über ihren Tellerrand hinausschauen und weitere innovative Ideen entwickelt haben, die ressourcenschonend, kostengünstig und nachhaltig sind.

Wo würden Sie in erster Linie ansetzen, damit diese Ideen auch zum Tragen kommen können?

Wir brauchen dringend eine spürbare Aufstockung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau und müssen schauen, dass Investoren auch in diesem Bereich eine für sie angemessene Renditechance sehen. Und ich betone: Die Forcierung des sozialen Wohnungsbaus ist nicht allein wegen des Flüchtlingszustroms von höchster Dringlichkeit, auch der einheimischen Bevölkerung muss in dieser Hinsicht geholfen werden.